Thursday, June 18. 2009
Posted by Eberhard R. Hilf
Comments (0) Trackbacks (0) View as PDF: This entry | This month | Full blog Die Kosten von Open Access
In der öffentlichen Diskussion werden immer wieder Kostenrechnungen angestellt: 'was kostet Open Access', zumeist von Journalisten (so am 17.6.2009 in der FAZ von Uwe Jochum, der aber ja selbst nicht open access zugänglich ist) oder von Personen, die kommerziellen Verlagen mit toll-access Zeitschriften (Subskriptionsmodell) nahestehen, oder von Gremien, die entsprechende Interessenten enthalten, so der RIN Report aus England, der listigerweise für OA und für toll-access genau dieselbe Summe berechnet (1.92 Mrd. Euro/a). Darauf muss man erstmal kommen, das so genau hinzuzirkeln.
Eine seriöse Kritik findet sich von Peter Suber, aber auch bei Harnad. Und das Thema verfolgt uns nun schon einige Jahre (siehe die Diskussionen in openaccess eprints). Daher hier noch einmal eine kurze Zusammenfassung: - kommerzielle Verlage nehmen fuer ihre wiss.Zeitschriften Preise, wie sie der Markt hergibt, - nicht die Umlage der Herstellungskosten. Seit einiger Zeit sind die Renditen so um die 30% vom Umsatz. Das gilt auch für ihre Open Access Zeitschriften oder das Open Choice Modell von Springer (zumeist so um die 3.000,- je Artikel). - die Zeitschriftengruppe um ACP (Atmospheric Chemistry and Physics), aber auch NJP (New Journal of Physics) zeigen, dass die Herstellungskosten bei gleichem Inhalt und strengem Referieren wesentlich geringer sein können. - die bisherigen Zeitschriften nutzen überhaupt nicht aus, was sich sparen ließe, wenn man zu reinen OA Zeitschriften (also digital only) überginge, - und einen Druck nur noch auf demand und gegen fette Rechnung liefern wuerde. Eine seriöse Studie (doch, die gibts) stammt vom Wellcome Trust Foundation in England: Economic Analysis of Scientific Publishing ( Studie des Wellcome Trust: in einem Vortrag von Terry vorgestellt; - und schließlich: Jochum verwechselt wie so viele OA mit gold-OA: Open Access geht von den Forderungen der Wissenschaft aus (nicht von dem was billiger ist): und das heißt: wir wollen alles relevante zu jeder Zeit ohne Barrieren lesen können, was wir für unsere wissenschaftliche Arbeit brauchen. Dazu müssen ja nun wirklich nicht alle Verlage umgekrempelt und alle Geschäftsmodelle umgestellt und alle Vertriebswege geändert werden etc. Was OA als Anforderung aus der Wissenschaft meint ist nur: "eine digitale Kopie des Werkes OA von irgendjemand irgendwo aufs Netz stellen (vorzugsweise die eigene Hochschule bzw. ihre Bibliothek, noch vorzugsweiser: das DINI-zertifizierte OA-Repository der Bibliothek, so vorhanden). Was der Autor dann macht mit dem Werk, ist ihm unbenommen. (Aber für die Verlage als Trost: Ihr Umsatz erhöht sich durch die digitale OA Kopie). - die meisten Verlage erlauben bzw. wünschen sogar eine digitale OA-Kopie, (z.B. die prestigeträchtigsten Zeitschriften der Physik) durch den Autor (siehe ), genannt: 'green OA'; - Das Thema von Herrn Jochum hat also nichts mit den Anforderungen der Wissenschaft zu tun, sondern ist ein hypothetisches Thema für Verlagswirtschafts-Theorie-Diskussionen; - green OA kostet so gut wie nichts und ist sofort von jedem Autor machbar. Also: die Kirche im Dorf lassen. Die Wissenschaft fordert OA, sei es nun green (jetzt und überall von jedem ohne große Kosten machbar), hat aber nichts gegen gold-OA, wenn die Verlage das machen wollen. Bei gold-OA ist es Sache der Verlagswirtschaft, passende Geschäftsmodelle zu finden. Trackbacks
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